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Arbeit am Text:
Zur postmodernen Erforschung der Kojiki-Mythen


Robert F. Wittkamp

Deutsche Ostasienstudien 34
OSTASIEN Verlag
Hardcover (25,0 x 17,6 cm), iii + 546 Seiten
Erscheint am 30. November 2018. € 49,80
ISBN-13: 978-3-946114-49-9 (978-3946114499, 9783946114499) ISBN-10: 3-946114-49-0 (3946114490)
Vertrieb: CHINA Buchservice / Bestellen

 
   

Dieses Buch handelt von Mythen und ihren Konstruktionen. Das betrifft zunächst die beiden altjapanischen Geschichtswerke Kojiki und Nihon shoki, aber am anderen Ende rückt der wissenschaftliche Diskurs in den Blick. Entdeckt in der Frühmoderne, unterlag das selbst bereits stark ideologisch geprägte Kojiki ab dem späten neunzehnten Jahrhundert einer politischen Instrumentalisierung, die vor nationaler Ideologie strotzte. Die komparative Mythologie und die japanischen Geschichtswissenschaften entlarvten zwar die vermeintliche Einzigartigkeit der japanischen Mythen als nationalistisches Konstrukt, konnten sich selbst aber nicht der eigenen Mythenerzeugung entziehen und reden sogar – aufgrund der Perspektive unbewusst – mancher ideologischen Behauptung das Wort.  

Auf die sich durch die Erzählungen ziehenden politischen Intentionen beider Werke weist die Forschung stets hin, aber nichtsdestotrotz ist das konkrete Aufdecken am Text selbst keine Selbstverständlichkeit; denn die Ideologie betrifft nicht nur inhaltliche Aspekte. Einer aufmerksamen und unvoreingenommenen Lektüre können die Differenzen beider Werke – und damit geeignete Ansatzpunkte zur Offenlegung von Ideologien – nicht entgehen. Sie sind deutlich genug, der großen Erzählung von den japanischen oder den offiziellen Mythen ein Ende zu setzen.

Zur Aufdeckung der Mythenkonstruktionen in den beiden Werken sowie in ihren Neuausrichtungen vom höfischen Diskurs bis zur wissenschaftlichen Beschreibung trug seit den späten 1960er Jahren ein Forschungsansatz bei, der sich in einer textorientierten Ausrichtung gegen die sezierenden, „ursprüngliche“ Mythen verfolgenden Ansätze der komparativen Mythologie wendet. Er gibt das Kojiki und das Nihon shoki als – ideologisch wie auch narratologisch – durchkonzipierte, in sich abgeschlossene Werke zu erkennen, die mit jeweils eigenen Strategien bestimmte Probleme zu lösen versuchen und dabei mit unterschiedlichen Zielen jeweils eigene Erzählungen entfalten. Das sich daraus ergebende Bild der Geschichte ist deutlich genug, um das gerne in der Selbstbeschreibung aufgegriffene Stereotyp des Kollektivs im Altertum zu relativieren. Die kritische, um Kleinigkeiten besorgte Textlektüre dieser Forschungsrichtung trägt vor allem zur Beantwortung der Frage bei, was an den japanischen Mythen eigentlich japanisch ist.


Robert F. Wittkamp, geb. 1959, ist unabhängiger Japanologe, lebt mit seiner Familie bei Kyōto und arbeitet an der Kansai-Universität in Ōsaka. Sein Hauptforschungsfeld sind schriftliche Zeugnisse des japanischen Altertums zu Aspekten wie Schrift und Erzählen, Geschichte und kulturelles Gedächtnis. Nach seiner Habilitationsschrift zur Liedersammlung Man’yōshū (2014) legt der Autor mit diesen neuen Untersuchungen einen weiteren Beitrag zur Kultur- und Geistesgeschichte des japanischen Altertums vor. In den Deutschen Ostasienstudien (DOAS 11 und 20) erschienen zwei Bände zu Matsuo Bashōs Oku no Hosomichi, die sich ebenfalls mit den oben genannten Aspekten befassen.

 

 

 

 

 
Inhalt [PDF]

Zu diesem Buch

1         Kojiki-Mythen: Forschung und historischer Kontext

1.1      Problemaufriss: Kojiki-Mythen und Werk-Abhandlung
          Japanische Mythen
          Zur (vermeintlich) einheitlichen Ausgangsmythologie
          Zur Werk-Abhandlung (sakuhinron)
          Forschungsbereiche
          Exkurs: Konzeption (kōsō)
          Saigō Nobutsuna
          Kōnoshi Takamitsu
          Zusammenfassung Werk-Abhandlung
          Zur Kritik an Kōnoshis Arbeiten
          Neue Ansätze
          Arbeitshypothesen

1.2      Historischer Hintergrund

1.3      uji und kabane

1.4      Politische Ziele

1.5      Legitimierung und Ernennung

          Zusammenfassung: Vom Großkönig zum Tennō
1.6      Die schriftlichen Quellen des Kojiki

1. 7     Vorwort und Fälschung

          Fälschungstheorien
1.8      Abriss der Kojiki-Mythen
          Kapitel 3.1 bis 3.8
          Die elf Abschnitte im Nihon shoki

2     Die mythische Welt – Weltanschauung und Raumdarstellung

2.1      Takaama no Hara und Ashihara no Naka tsu Kuni
          Die Geburt der Inseln
          Ashihara no Naka tsu Kuni
          Die Himmlische Schwebebrücke Ame no Ukihashi
          Exkurs: Mythemische Überdeterminierung

2.2      Zum Drei-Schichten-Modell
          Die vertikale und horizontale Weltanschauung

2.3      Yomo tsu Kuni
          Ein Reich der Finsternis?
          Etymologie: yomo / yomi
              Eine Welt der Toten?

          Eine unterirdische Welt?
          Exkurs: Semantische Verschiebungen (Saijō Tsutomu)
          Die Erzählung vom Tod der Menschen?

2.4      Ne no Katasu Kuni
          Terakawa Machio 2009
          Omura Hiroshi 2011

2.5      Wata tsu Mi no Kami no Miya

2.6      Mizubayashis Kritik an Kōnoshis „Weltanschauung“

2.7      Zentralismus und „Kulturraum Japanisches Meer“

2.8      Anstelle einer Zusammenfassung: Raumdarstellung in den Kojiki-Mythen

3         Die Kojiki-Mythen

3.1      Zwei Kosmogonien: musuhi versus Yin und Yang

3.2      Uranfang: Das Hohe Himmelsgefilde
          Verborgene Leiber (1)
          Verborgene Leiber (2)
          Der Prozess der Leibwerdung
          Ein anderer Uranfang (1: Mizubayashi Takeshi)
          Ein anderer Uranfang (2: Kitano Satoshi)
          Zu den Mythen vor der Geschichte
          Exkurs: Ergänzende Lektüre im Nihon shoki (Matsumoto Naoki)
          Zur Herkunft der Menschen

3.3      Kosmogonie 2 (Izanaki und Izanami)
          Zur Herkunft des Geschwisterpaares (Ise 1)
          Die Befehlskette
          Leib, Gebären und Werden in der Kojiki-Konzeption
          Weitere Aspekte
          Zur Frühgeschichte des Ise-Schreins (Ise 2)
          Das Sterbenmüssen der Menschen

3.4      Amaterasu und Susa no Wo
          Amaterasu Ohomikami
          Von Ohohirume no Muchi zu Amaterasu Ohomikami
          Die ukehi-Mythen
          Das ukehi im Nihon shoki
          Verwässerungen im Kojiki
          Eskalation eines eingebildeten Sieges (kachi-sabi)
          Das Verbergen im Felsenhaus
          Zwischenfazit
          Exkurs: Darstellung von Hofzeremonien
          Exkurs: Zur komparativen Erforschung der Vorfassungen (Ise 3)
          Die getötete Gottheit

3.5      Die Vollendung der Landerschaffung
          Die sogenannten Izumo-Mythen
          Ohoanamuji
          Yachihoko
          Exkurs: Mehrgsträngiges Erzählen
          Ohokuninushi
          Exkurs: Genealogie und Erzählung
          Zwischenfazit
          Ohoanamuchi no Kami im Nihon shoki

3.6      Ohokuninushis Landüberlassung (kuni-yuzuri)
          Ame no Hohi
          Amewaka Hiko
          Takemikazuchi

3.7      Die tenson kōrin-Mythen
          Abstiegsszenarien
          Die befehlsgebende Gottheit
          Zur Herkunft der Abstiegsmythen (Saijō versus Mizoguchi)
          Zum Wechsel der Ahngottheit (Mizoguchi 2016)
          Nachbemerkung zu Takami Musuhi
          Exkurs: Textkonzeption 2 (Ise 4)
          Exkurs: Spiegel, Schwerter und Juwelen

3.8      Drei Generationen von Himuka
          Ko no Hana Sakuyabime
          Drei Namen
          Die zweite Generation: Hoderi und Howori
          Polarisierende Lektüre
          Jagdgerät und Glück
          Der Weg zur dritten Generation
          Von der dritten Generation zum ersten Tennō
          Zusammenfassung der Himuka-Mythen

Literaturverzeichnis

Indizes [PDF]
1         Fachbegriffe, Ortsnamen
2         Personennamen
3         Werktitel
4         Personen- und Ortsnamen (Kojiki und Nihon shoki)
5         Originalbegriffe (Kojiki und Nihon shoki)
6         Belegstellen der Arbeitshypothesen (Kojiki)
7         Besondere Aspekte der Nihon shoki-Mythen

 
   
   
Zu diesem Buch [PDF]

Das Kojiki 古事記 gilt als ältestes Werk der japanischen Literatur. Dem Vorwort zufolge gab Tenmu Tennō den Auftrag für die Zusammenstellung, was vielleicht Anfang der 680er Jahre geschah. Die Einreichung am Hof erfolgte allerdings erst 712, einem viertel Jahrhundert nach seinem Tod, und zu jener Zeit führte seine Nichte Genmei das Ruder, die auch den Befehl zur Fertigstellung erteilte. An der Authentizität des Vorwortes bestehen zwar Zweifel, aber es stellt die einzige Quelle für das Wissen über die Entstehung des Kojiki dar. Das Werk umfasst drei Bände (maki 巻, wörtlich: Rolle, auch: Faszikel), die jeder für sich eine bestimmte Funktion erfüllen, gemeinsam jedoch ein schlüssiges Narrativ ergeben, nämlich die Erzählung von der Herkunft und Legitimierung des Herrscherhauses. Das dem Tennō – eine geschlechtsneutrale Bezeichnung – zugewiesene Reich „Unterm Himmel“ ist eine Nachbildung des „Hohen Himmelsgefildes“ auf Erden mit Yamato in der Nara-Ebene als Zentrum. Der erste Band enthält Erzählungen und Genealogien, welche die Wissenschaften der Moderne als „Mythen“ (shinwa 神話) einstuften und damit kategorisch von der Geschichtsschreibung trennten, allerdings ohne diesen Bruch an die einzelnen Bände zu binden oder sich auf eine Grenze festzulegen. Der zweite und dritte Band enthalten die Erzählungen und Genealogien ab Jinmu, dem legendären ersten Tennō, aber die Erzählungen enden bereits im späten fünften Jahrhundert. Der Rest besteht aus erweiterten Genealogien mit Angaben zum Regierungssitz, zu den Nachkommen oder zum Ableben, die den Kern aller Bücher (Kapiteln) zu den einzelnen Herrschern bilden.

Aufgrund dieser Struktur aus Mythen, Geschichte und Genealogie sowie der inhaltlichen Ähnlichkeiten zum acht Jahre später eingereichten Nihon shoki 日本書紀, der ersten der bis 901 erstellten sechs Landesgeschichten (rikkokushi 六国史), spricht man gewöhnlich bei beiden Titeln von Geschichtswerken, aber genau genommen sind sie für eine gemeinsame Kategorie zu unterschiedlich. Das aus dreißig Bänden bestehende Nihon shoki präsentiert in den ersten beiden ein „Zeitalter der Götter“ (神代 kamiyo, shindai), das sich aus einer Haupterzählung und darin als Anmerkungen eingefügten Alternativfassungen zusammensetzt. Eine solche Konstellation, in der zwei Werke die vollständigen Mythologien eines so kleinen Kulturkreises enthalten, dürfte nicht allzu oft zu finden sein, schon gar nicht zu Anfang des achten Jahrhunderts. Der Vergleich dieser Erzählungen offenbart ihre Ähnlichkeiten, aber mit jedem genaueren Hinschauen weichen sie mehr voneinander ab. Die Konstellation ist somit nicht nur merkwürdig, sondern vielleicht sogar einzigartig. Die erzähltextanalytische Grundausrichtung der folgenden Beobachtungen richtet das Hauptaugenmerk auf das Kojiki, und das Nihon shoki dient dem Vergleich, sozusagen als Kontrastmittel. Es sei jedoch daran erinnert, dass das Nihon shoki im Gegensatz zum Kojiki zwar als offizielles Geschichtswerk gilt, dort aber nicht weniger und auch nicht ungeschickter Geschichten erzählt werden.

Besitzt das Nihon shoki einen offiziellen Charakter, wurde das Kojiki über viele Jahrhunderte nur am Rande wahrgenommen. Es spielte hier und da eine Rolle, und Spezialisten überlieferten den Text in verschiedenen Abschriften. Auf diese Weise erreichte es im achtzehnten Jahrhundert den Philologen Motoori Norinaga 本居宣長 (1730 bis 1801), der in jahrelanger Arbeit eine Lesung rekonstruierte und das umfangreiche Kommentarwerk Kojiki-den 古事記傳 erstellte. Nach vierundvierzig Bänden fand dieses Unternehmen im Jahr 1798 seinen Abschluss, und Motooris letztendlich gescheiterte Suche galt dem unterm Text liegenden „alten Wort“ (furukoto 古言), der erhofften Sprache der japanischen Uridentität. Unglücklicherweise war seine Arbeit damit für die Nationalisten der Moderne ein gefundenes Fressen, und dem Kojiki widerfuhr eine starke politische Instrumentalisierung. Wohin der japanische Nationalismus führte, ist bekannt, aber das Kojiki-den überlebte und bildet bis heute das Fundament der Kojiki-Forschung. Die Kommentarliteratur (chūshaku-bon 注釈本) setzt gewöhnlich dort an, und nicht wenige der als sicher geltenden Lesungen und Erkenntnisse stammen daraus. Freilich gibt es zahlreiche Irrtümer, was bei einem Werk wie dem Kojiki kaum überrascht, und vieles ist nach wie vor ungeklärt; eines der Ziele der vorliegenden Darstellung ist die Suche nach den Gründen dafür.

Mit der Moderne hielten die westlichen Wissenschaften Einzug in Japan, die das Kojiki unter anderem den sezierenden und fragmentierenden Analysen der Geschichtswissenschaften und der vergleichenden Mythenforschung unterzogen. Durch den Nachweis der außerjapanischen Herkunft der Erzählungen sowie die Hinterfragung der historischen Angaben entlarvten sie die kulturelle Einzigartigkeit als Konstrukt und stellten damit zugleich die göttliche Herkunft des Tennō in Frage. Aus den Erzählungen zum „Zeitalter der Götter“ wurden die japanischen Mythen (nihon shinwa 日本神話), wobei paradoxerweise deren schriftliche Fassungen in den Geschichtswerken angesichts ihres konstruierten Charakters und der politischen Implikationen zugleich ihren mythischen Charakter verloren. Auf der einen Seite erwiesen sich die Mythen als ideologische und intellektuelle Konstrukte zur Verfolgung politischer Ziele, auf der anderen als Patchworks aus außerjapanischen Bausteinen, deren eigentlicher Sinn nicht mehr verstanden worden sei. Zugleich aber festigte sich die Vorstellung eines gemeinsamen Kerns aus den unter den textuellen Oberflächen beider Geschichtswerke verborgenen japanischen Mythen, wobei die Unterschiede in den beiden Geschichtswerken entweder verwischt oder durch verschiedene Linien der Überlieferung und Entwicklungsstufen erklärt wurden. Die Zusammenfügung verschiedener Mythen zu einer großen Erzählung lässt sich allerdings tief in die Geschichte zurückverfolgen, und selbst das Kojiki ist nichts anderes als der – erzähltextanalytisch und ideologisch gesehen – gelungene Versuch einer Verschmelzung zu einer großen Erzählung. Freilich ist zu zeigen, was genau verschmolzen wurde, womit ein weiteres Ziel der folgenden Beobachtungen genannt ist. Wenn heute die Rede von „japanischen Mythen“ ist, verstehen die meisten darunter letztendlich die Kojiki-Mythen, was insofern kaum verwundert, als zum einen die japanischen Nationalisten das Kojiki zur offiziellen Staatserzählung erhoben hatten und zum anderen die Erzählungen wesentlich ausgefeilter und zusammenhängender erscheinen als die sich zum Teil widersprechenden und fragmentierten Versionen im Nihon shoki.

Angesichts dieser Ausgangslage verfolgt die vorliegende Darstellung noch verschiedene andere Ziele, allem voran die Fragen, was die Kojiki-Mythen sind und wo die Unterschiede zu den anderen Fassungen liegen. Es interessiert aber auch die Herkunft solcher Differenzen und weiterhin die Rolle der Kojiki-Forschung bei der Konstruktion und Verschmelzung von Mythen. Diese zeigt sich unter anderem durch den Blick auf die jüngere, bisher im deutschsprachigen Raum kaum wahrgenommene Kojiki-Forschung, die sich ab den späten 1960er Jahren gegen die sezierenden und archäologisch vorgehenden Ansätze der Moderne wendet. Für diese sich auf das Werk und seine Verschriftung konzentrierende Forschung stellen die Geschichtswerke, besonders die Mythen, nicht mehr bloße Materialquellen für außertextuelle Phänomene dar. Beispielsweise interessierte zuvor, woher eine bestimmte Mythe ursprünglich kam, was sie eigentlich bedeutete oder wie sie Riten, Kulte und Gebräuche widerspiegelt, kaum aber die Rolle, die sie mit der Verschriftung für das Kojiki ausübt. „Ursprünglich“ und „eigentlich“ zählen zum Beschreibungsapparat der komparativen Mythenforschung, die damit etwas Vages, in tiefer Vergangenheit Verborgenes umreißt. Die Bedeutung dieser Wörter ist alles andere als klar, aber in ihnen scheint die Beteiligung der wissenschaftlichen Sprache an Mythenbildungen auf.

Das Hauptaugenmerk der jüngeren Kojiki-Forschung gilt hingegen in literaturwissenschaftlichen Herangehensweisen dem Werk als abgeschlossenem Text. Da diese Forschungsrichtung bestimmte, zuvor weitestgehend im Dunkeln liegende Schwerpunkte und Zielsetzungen verfolgt, könnten die anschließenden Darstellungen das Bild ergeben, dass sich die aus Geschichtswissenschaften, komparativer Mythologie oder Volks- und Völkerkunde speisenden interdisziplinären Ansätze der Moderne als Irrtum oder Sackgasse erwiesen haben. Das ist bestimmt nicht der Fall, aber die im vorliegenden Buch als Wende beschriebenen Frage- und Problemstellungen brachten neue Erkenntnisse und andere Zusammenhänge ans Licht, die schwerpunktmäßig in den Blick rücken sollen.

Dem Großteil der jüngeren, textorientierten Forschung geht es um eine Lesung, die das Kojiki als ein kohärentes Werk versteht, als einen Text, der auf der Ebene der Verschriftung eine eigene Logik verfolgt und sich inhaltlich, sprachlich und stilistisch von anderen Erzählungen seiner Zeit unterscheidet. Wenn eine persönliche Erkenntnis vorausgestellt sein darf, die redundant anmuten mag, so die folgende: Alles, was wir über die sogenannten japanischen Mythen jener Zeit sagen können, beruht in erster Linie auf Mitteilungen aus den überlieferten Abschriften beider Geschichtswerke und anderer Texte, aber der erste Band des Kojiki, um den es im Folgenden geht, ist nicht als schriftliche Fixierung von Mythen zu verstehen, die zuvor in mündlicher Form im Volk kursierten. Die Kojiki-Mythen sind nämlich nichts anderes als ein Produkt des Textes selbst, und sie existieren nur in diesem Text. Sie sind Teil einer Erzählung von der Herkunft des Tennō, und alles andere, wie ausgegrabene Artefakte, ethnologische Feldforschung, andere Textquellen und Erzählungen, Motive oder Mytheme aus außerjapanischen Kulturkreisen, ist zunächst ein Wissen, das in das Kojiki hineingetragen wird. Die sich daraus ergebenden Mythen können ein wiederum unterschiedliches Bild ergeben, zumal manche Textpassagen offenbar so konzipiert sind, dass sie je nach Frage eine andere Antwort liefern. Das lässt sich auch umgekehrt formulieren: Die japanischen Mythen sind das, was nach Abzug alles Nichtjapanischen übrigbleibt. So wurde die „Himmlische Schwebebrücke“ als Regenbogen identifiziert und mit dem nordeuropäischen Bifröst- oder dem iranischen Cinvat-Motiv in Verbindung gebracht. Die Berücksichtigung dieses Wissens deckt die Tiefenstrukturen, dessen Abzug die japanischen Mythen auf. Die Himmlische Schwebebrücke im Kojiki ist eine andere als im Nihon shoki und hat nichts mehr mit außerjapanischen mythischen Motiven zu tun. Dennoch steht die Bezeichnung für einen mythischen Ort, der im textuellen Zusammenhang der Kojiki-Erzählung eine bestimmte Aufgabe erfüllt, und dieser Aspekt gehört zu den japanischen Mythen. Angesichts solcher spezifischen Zusammenhänge muss für die Erforschung der Kojiki- oder Nihon shoki-Mythen die Auseinandersetzung mit den Originaltexten an erster Stelle stehen, und das vorliegende Buch möchte darauf die Aufmerksamkeit lenken. Es gibt einen Überblick zu den Kojiki-Mythen sowie der textorientierten Mythenforschung und mag – so die Hoffnung – als Anregung zur eigenen Auseinandersetzung mit den Erzählungen dienen.

Das Buch besteht aus drei Kapiteln. Das erste widmet sich dem außertextuellen Umfeld des Kojiki. Es behandelt die wissenschaftlichen Herangehensweisen und wirft Licht auf die Hintergründe der Entstehung beziehungsweise den historischen Kontext sowie einige Problemfelder, die für das Verstehen mehr Transparenz erfordern. Es geht um eine Binnendifferenzierung der japanischen Mythen, von denen die Kojiki-Mythen nur einen Teil bilden. Die nächsten beiden Kapitel widmen sich dem in verschiedenen Abschriften vorliegenden Originaltext, zunächst dem Aufbau der mythischen Welt beziehungsweise der „Weltanschauung“ (sekaikan 世界観), wie es in der japanischen Forschung heißt. Das Kojiki als abgeschlossenes und kohärentes Werk musste innerhalb einer bestimmten historischen Konstellation eine überzeugende Weltanschauung entwerfen, und die Mythen spielen dabei eine besondere Rolle. Aus diesem Grund ist das Thema für die Forschung von höchstem Interesse, zumal die Weltbilder der beiden Geschichtswerke bereits in ihren Kosmogonien am Uranfang nicht identisch sind, da das Nihon shoki seine Anschauungen auf eine wiederum eigene Art und Weise entfaltet. Erst der Einbezug des gesamten Textzusammenhanges zeigt die Einzigartigkeit der beiden Entwürfe, und verdeutlich, dass ein wichtiges Ziel der Kojiki-Konzeption in der Abgrenzung von anderen Herkunftserzählungen liegt, das heißt in dem Versuch einer überzeugenden Darstellung der besonderen, und daher legitimierenden Herkunft der Tennō-Familie. Zugleich nehmen die Kojiki-Mythen andere, zum Teil heterogen wirkende Erzählungen in sich auf, um es bestimmten Interessensgemeinschaften recht zu machen, und tasten sich dabei bis an ihre Grenzen – vielleicht sogar darüber hinaus – als glaubhafte Erzählungen vom „Götterzeitalter“ heran. Die Abweichungen der Abschriften bei der Zeichenwahl führen nebenbei bemerkt zu spezifischen Problemen der Textauslegung, und daher müsste es korrekterweise „Originaltexte“ heißen; der sogenannte Originaltext ist ein Produkt der Editionsphilologie.

Das dritte Kapitel schließlich konzentriert sich auf die Lesung und Diskussion der Kojiki-Mythen, und die Vergleiche mit den abweichenden Fassungen im Nihon shoki dienen vornehmlich dem Verständnis dieses Textes. Hier geht es aber nicht um die Arbeit am Mythos (Hans Blumenberg, 1996) oder um die bei Parmenides einsetzende „Überwindung des Mythos durch logischen Zwang“ (Marc Nicolas Sommer, 2017) und damit weder um Mythentheorien noch um Fragen nach der Berechtigung für die Einschätzung als Mythen. Das Augenmerk gilt dem ersten Band des Kojiki respektive den ersten beiden Bänden des Nihon shoki, das heißt den Erzählungen, die im Verständnis der modernen Wissenschaften Mythen (shinwa) sind. Wie gesehen besitzen die ersten beiden Bände im Nihon shoki sogar die originale Bezeichnung „Zeitalter der Götter“ (shindai, kamiyo), was ein wenig Licht auf das damalige Denken wirft, zumal diese Ausgrenzung dem Kojiki nicht zukommt. Allerdings weisen auch die übrigen Bände Erzählungen auf, welche die Verbindungen zu den Mythen auffrischen und mitunter selbst als Mythen zu werten sind, und besonders für das Kojiki scheint sich dabei die Beschreibung als Mythohistorie zu bestätigen. Das Nihon shoki besitzt dagegen eine Form, die vor allem ab den im Kojiki nicht enthaltenen Erzählungen des siebten Jahrhunderts für genuine Geschichtsschreibung steht.

Die Darstellung der mythischen Welt ist eine Rekonstruktion aus dem gesamten Text, aber im dritten Kapitel stehen die aus dem Gesamttext herausgelösten Erzählungen zur Beobachtung an. Geht es darin auch um Vergleiche mit den Mythen im Nihon shoki, ist das Ziel nicht das Aufdecken von Gemeinsamkeiten, wie es die vergleichende Mythenforschung und Ansätze aus den Geschichtswissenschaften verfolgen. Das hiesige Vorgehen zielt auf das Aufdecken von Differenzen ab, die sich freilich nur vor der Folie der Gemeinsamkeiten beschreiben lassen. Die intensivere Erfassung mancher Episoden bedeutet keine stärkere Gewichtung innerhalb der Gesamterzählung, sondern bestimmte Probleme sollen paradigmatisch zeigen, dass die kritische Auseinandersetzung mit dem Text noch immer zu neuen Erkenntnissen führt. Insgesamt scheinen so viele Fragen offenzustehen, dass für das vorliegende Buch eine Auswahl getroffen werden musste. Das war aber bisher nie anders, wie der Vergleich mit der komparativen Mythenforschung zeigt, die angesichts ihrer eigenen Zielsetzungen manchen Zusammenhängen und Passus weniger oder keine Aufmerksamkeit zukommen lässt.

Wie oben bemerkt geschehen die Beobachtungen eng am Text, was beispielsweise bezüglich der Semantiken den Abgleich textinterner Belegstellen erfordert. Oder es ist nach der Bedeutung einer Erzählung im Zusammenhang zu fragen. Die Erkenntnis der Herkunft einer Erzählung aus Indonesien oder Zentralasien war ein großer Schritt, spielt aber für die hier verfolgten Ziele nicht mehr die Hauptrolle, und bezüglich der Fragen nach den außerjapanischen Ursprüngen und Hintergründen ist an die entsprechende Forschung zu verweisen. Die hiesigen Darstellungen konzentrieren sich auf ein kommentierendes Sichten ausgesuchter Arbeiten der jüngeren Forschung zu den Kojiki-Mythen. Im Vordergrund steht dabei die Dokumentation aktueller Problemfelder und die Moderation diverser Diskurse; die Motivation dafür stammt nicht aus der Mythenforschung, sondern aus den Literaturwissenschaften. Mit „Moderation“ ist aber nicht einfach die fröhliche Darstellung der Forschung gemeint, sondern der Begriff spiegelt bereits eine der Vermutungen der vorliegenden Arbeit wieder: Das Kojiki inszeniert die Ereignisse und Geschehen in einer Art und Weise, die polysemantische Lesungen nicht nur fördert, wie es für Literatur typisch wäre, sondern geradezu fordert; darin ist vielleicht ein Schlüssel zum Verstehen der unterschiedlichen, mitunter gegenläufigen Textauslegungen zu sehen. Die Schwierigkeit der Moderation liegt in der Orientierung innerhalb eines Diskurses oder Themengebietes, der Vorteil aber in dem Privileg, die Auswahl treffen zu dürfen; auch daraus erklären sich die unterschiedlichen Gewichtungen bei der Aufarbeitung der Themen.

Gegenstand der Beobachtung sind somit die Kojiki-Mythen als Bestandteil einer kohärenten Erzählung zur Herkunft und Legitimierung des Tennō-Hauses. Zwar verfolgt auch das vorliegende Buch die von Klaus Antoni angeregte geistig-archäologische Detailforschung (2012: 353), jedoch nicht im Sinne der wohl auch nicht auf dem Stand der 1970er Jahre verharrenden komparativen Mythenforschung. Bezüglich der jüngeren Kojiki- und Nihon shoki-Forschung liegt der Schwerpunkt mit dem Ziel der Bekanntmachung auf der sogenannten Werk-Abhandlung (sakuhinron 作品論) und den nachfolgenden Arbeiten, die in der Auseinandersetzung mit dieser Richtung entstanden, aber mit ihr verbunden sind. Als übergeordneter Begriff bot sich daher „textorientierte Forschung“ an. Die Bezeichnung als Werk-Abhandlung – tatsächlich könnte auch im Plural übersetzt werden – impliziert eine einheitliche Theorie und Vorgehensweise, aber in der Praxis ist das nicht der Fall. Ohne Zweifel haben die verschiedenen Ansätze, deren Gemeinsamkeit in der Fokussierung auf das Werk als Ganzes besteht, neue Perspektiven eröffnet, aber die Werk-Abhandlung insgesamt ist – der komparativen Mythenforschung vergleichbar – mittlerweile an die Grenzen des Erkenntniszuwachses gestoßen. In der folgenden Darstellung kommen daher auch andere Ansichten zu Wort, vor allem solche, die zwar unverkennbar mit der sakuhinron verbunden sind, allerdings nach Wegen der Überwindung suchen.

Abschließend seien einige Anmerkungen zum Vorgehen gegeben. Die Ausführungen mögen mitunter ein wenig penibel oder gar übertrieben erscheinen. Dem sei entgegengesetzt, dass philologische Akribie und hohe Detailfreudigkeit Merkmale der textorientierten Kojiki-Forschung sind. Es geht um Einblicke in diese Welt bei gleichzeitiger Bemühung um Beschränkung aufs Wesentliche. Den japanischen Textwissenschaften wird im Westen bisweilen mit Kritik und Ignoranz begegnet, aber in philologischer Hinsicht ist die nicht-japanische Forschung auf sie angewiesen; auch das werden die folgenden Beobachtungen zeigen.

Weiterhin greifen wir aus zwei Gründen auf die Übersetzungen von Karl Florenz zurück, die original 1901 (Nihon shoki) und 1919 (Kojiki, Kogo shūi) erschienen; letzterer Band enthält auch die Mythen und andere Teile aus dem Nihon shoki. Erstens sind beide Arbeiten 2014a/b neu aufgelegt worden, zu erschwinglichen Preisen erhältlich und zudem über das Internet einzusehen, sodass hier weitestgehend auf eigene Übersetzungen und den Nachvollzug der dortigen Kommentierung verzichtet werden kann. Wie die ebenfalls im Internet verfügbare, eingeleitete und kommentierte Übersetzung ins Englische von Basil Hall Chamberlain (1882), die zwar aus Gründen der Entlastung nicht berücksichtigt, aber zum Vergleich empfohlen wird, sind zweitens die Übersetzungen von Florenz – das muss nach mehr als einhundert Jahren gesagt sein – von hoher wissenschaftlicher, das heißt maßstabsetzender Qualität, die von jüngeren Versuchen oftmals unterlaufen wird. Einige seiner Anmerkungen sind heutzutage zwar überholt und werden im Folgenden auch nicht weiter berücksichtigt, manches hat aber nach wie vor Gültigkeit, und die wissenschaftlichen Leistungen im Kontext jener Zeit dürfen keinesfalls in Vergessenheit geraten.

Da die vorliegende Darstellung den Ansätzen der textorientierten Kojiki-Forschung nachgeht, muss sie dementsprechend eine Übersetzungskritik beinhalten. Die Fokussierung der textorientierten Ansätze auf bisher verborgene Zusammenhänge macht daher den vergleichenden Blick auf Nelly Naumanns Arbeit Die Mythen des alten Japans (1996) sowie Klaus Antonis kommentierte Kojiki-Übersetzung (2012) erforderlich, die im Gegensatz zu Florenz’ Arbeiten das Kojiki vollständig präsentiert, also auch die Erzählungen aus den beiden anderen Bänden enthält. Naumanns komparative Arbeit bleibt für sich allein zwar in einigen Punkten unverständlich, bietet aber für das hier verfolgte Thema notwendige und weiterführende Einsichten in die vergleichende Mythenforschung und liefert unverzichtbare Ergänzungen. Das dürfte, so die Hoffnung, auch umgekehrt gelten, und die vorliegende Arbeit sollte einige der dortigen Lücken schließen können. Die parallele Lektüre ist für ein umfassendes Verständnis unabdingbar, aber die mythologische Diskussion ist aus Platzgründen sowie aus Kompetenzmangel des Verfassers der vorliegenden Arbeit auszuklammern. Trotz umfangreicher Untersuchungen und Darstellungen beider Forscher, die sich durch Einzelanalysen zu verschiedenen Themen der Mythen und des Altertums auszeichnen, erfolgt eine Beschränkung auf die beiden genannten Titel. Denn zum einen sind die dort angesprochenen und hier ebenfalls relevanten Themen als Ergebnisse langjähriger Forschungen zu sehen, und zum anderen erscheinen beide Bücher in Verlagen, die das japanologische Wissen über die engen Fachgrenzen hinaustragen. Sie repräsentieren daher den Kenntnisstand der in deutscher Sprache zu japanologischen Themen vorliegenden Mythenforschung.

Ungewöhnlich scheint der gelegentliche Blick auf die jüngste Übersetzung ins Englische zu sein, die Gustav Heldt anfertigte. Der Bearbeiter (2014: XXV) gibt jedoch an, sich grundsätzlich an der 1997 in der Reihe „Shinpen Nihon koten bungaku zenshū“ erschienenen Kommentarausgabe von Yamaguchi Yoshinori und Kōnoshi Takamitsu zu orientieren. Da diese Ausgabe, die auch für die vorliegende Arbeit die Grundlage bildet, im Sinne der Werk-Abhandlung erfolgte, bleibt zu prüfen, was Heldts Bemerkung für die Übersetzung bedeutet. Seine Arbeit ist auch deshalb dafür geeignet, da sie keine Kommentare enthält, der von Yamaguchi und Kōnoshi behauptete Werkcharakter also gewissermaßen aus dem Text selbst hervorgehen muss.

Zu guter Letzt sei auf die Indizes am Ende des Buches hingewiesen, deren Erstellung mit Sorgfalt erfolgte. Durch diese sowie die Kapitelaufteilung und die Querverweise sollte sich die folgende Darstellung bequem als Handbuch der Kojiki-Mythen und mit Einschränkungen auch der Nihon shoki-Mythen verwenden lassen. Es fokussiert allerdings, um das nochmals festzuhalten, auf die textorientierte Forschung und ist daher bezüglich der Erkenntnisse der komparativen Mythenforschung bei weitem nicht vollständig.

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Japanische Namen folgen der japanischen Ordnung, in der Familiennamen zuerst stehen. Bei den auftauchenden japanischen Begriffen geben wir beim ersten Vorkommen die Schriftzeichen an; Begriffe ohne japanische Schreibungen stehen original nur in Lautzeichen (hira- oder katakana). Schriftzeichen aus den Kojiki- und Nihon shoki-Originaltexten sind dadurch kenntlich gemacht, dass sie vor der (vermuteten) Lesung stehen; andere japanische Begriffe folgen der Konvention, zuerst die Lesung, dann die Schriftzeichen zu präsentieren. Diese unterschiedliche Wiedergabe ist vor allem als Hilfestellung gedacht, zwischen Objekt- und Metasprache unterscheiden zu können. Die häufige Wiedergabe japanischer Fachbegriffe ist zum einen der Tatsache geschuldet, mit der Übersetzung oder Umschreibung eventuell vom japanischen Konzept abweichen zu müssen. Da andererseits im Zentrum der Beobachtungen der japanische Diskurs steht, ist die Wiedergabe relevanter Begriffe als Hilfsmittel für die aktive Teilnahme daran gedacht.

Ein hartnäckiges Problem stellen die Umschriften dar. Da es in diesem Handbuch jedoch schwerpunktmäßig um die japanische Forschung geht, die gewöhnlich bei altjapanischen Wörtern, vor allem aber bei den Namen durch kana-Phonogramme eine pseudo-historische Umschrift bevorzugt, wird diese angesichts der Vorteile im Folgenden für alle Lesungen angenommen und einheitlich paraphrasiert. Daher werden die Dehnungsstriche (Makron) moderner Umschriften für ō in oho ausgeschrieben (also: Ohokuninushi), einst am Ende einer Silbe stehende Vokale wieder dorthin zurückgeführt (also: omofu statt omou, ukehi statt ukei) und steht innerhalb von Wörtern „h“ statt „w“ (also: Ohari oder iha statt iwa). Das betrifft die Namen, Titel und vermuteten Umschriften altjapanischer Wörter aus den Mythen, aber die Namen der Tennō oder die Umschriften sino-japanischer Begriffe folgen den üblichen Gewohnheiten (also: Ōjin Tennō oder ritsuryō). Das dient nicht dem Versuch einer der alten Aussprache gerecht werdenden Umschrift, sondern ist – abgesehen von der Berücksichtigung japanischer Konventionen – auch als weiteres Hilfsmittel zur Differenzierung von Objekt- und Metasprache gedacht. Daher müssen auch die beiden Vokalvarianten des Altjapanischen (- und otsu-rui) nicht berücksichtigt werden, sind aber in den Fällen zu diskutieren, die eine Differenzierung erfordern. Alle anderen Umschriften folgen den üblichen Gewohnheiten.

Wichtige Internetquellen:

Basil Hall Chamberlains Kojiki-Übersetzung findet sich unter: „www.sacred-texts.com“ (dort unter „Kojiki“), die Texte von Karl Florenz sind unter „archive.org“ digitalisiert. Von weiterer online-Hilfe sind Bernhard Scheids „Religion in Japan – ein web-Handbuch“. (www.univie.ac.at/rel_jap/an/Religion-in-Japan) sowie die „Encyclopedia of Shintō“. der Universität Kokugakuin (eos.kokugakuin.ac.jp).